Der Kelch von 1909: Von Schützen, Sonntagsarbeit und Wiedergutmachung

Auszug aus der Festchronik anlässlich des 300-jährigen Jubiläums:

Glaube, das haben sich die Schützen, neben Sitte und Heimat auf ihre Fahne geschrieben und stehen seit über 300 Jahren dafür ein. Zusammenstehen, gemeinsam etwas bewegen, schaffen und erhalten ist ihnen Herzensangelegenheit.

Schon zu alten Zeiten zählte nach der Küppel-Prozession (zu Maria Heimsuchung) das acht Tage später stattfindende Schützenfest zu den alljährlichen, großen Ereignissen der Dorfgemeinschaft und der Schützenbrüder. Um das Fest wetter unabhängig feiern zu können, einen trockenen Tanzboden zu haben, beschlossen die Schützenbrüder, den Bau einer Schützenhalle unter den alten Eichen. Bauunternehmer Caspar Keßler errichtete die Halle, die am 6.Juli 1890 eingeweiht wurde.

Der damalige Pfarrer Julius Falter (1886-1902) schrieb dazu in der Pfarrchronik: „Das Schützenfest, welches früher unter den 100-jährigen Eichen gefeiert wurde, hat durch den Bau an seiner Originalität verloren“.

Aber wie es im Leben so ist, der Mensch strebt nach Vollkommenheit und wünscht das für seine Familie, seinen Verein, vor allem für das, was das Leben nicht nur wertvoll, sondern auch angenehm macht. Diesen Wunsch hatten auch die Schützenbrüder als sie feststellten, dass nicht nur gutes Quellwasser für das Bierbrauen benötigt wird, sondern auch für die Reinigung der Gläser und Geräte. Das Ruhrwasser war wenig geeignet, selbst bei einem Freibierpreis von 4 Mark für zwei Festtage. So wurde im Jahr 1907 beschlossen aus dem Mondsiepen eine Wasserleitung zu verlegen. Aber wie das im Leben so mit der Umsetzung von Beschlüssen ist, gab es auch hier ein Hindernis in Form eines der Firma Linneborn als Wasserkraft führenden Obergrabens. Zwar erklärte sich der Fabrikbesitzer Adalbert Linneborn bereit das Schütz zu schließen, das Wasser des Obergrabens abzulassen, aber nur am Sonntag, wenn der Betrieb ruht.

Ein Gespräch zwischen dem damaligen Schützenvorstand und dem Pfarrer Karl Steimann (1902-1916) mit der Bitte um Dispens von der Sonntagsruhe stieß auf Ablehnung. Was nun? Die Schützen führten ihr Vorhaben aus, der Pfarrer war verständlicherweise verärgert.










Aus dieser Problematik ergibt sich die folgende, die „Stiftung“ umrankende, mündlich überlieferte Geschichte, die in der Pfarrchronik von 1909 mit (angeblich) etwas gemildert wird. Fraglich bleibt, ob sich dieses (angeblich) auf den Jahrestag des Jubelfestes oder auf den wirklichen Anlass der Stiftung bezieht.

Dieses Geschenk, der Kelch, führte zur Aussöhnung zwischen Schützenvorstand und Pfarrer. Anlässlich der Renovierung des Messkelches, im März des Jahres 2001 kam, bei genauerer Betrachtung der Innenseite des Fußes die eingravierte Widmung zur Bedeutung.



Sie lautet: Vom Schützenverein gestiftet im Jahre 1909

So kam auch die mündlich überlieferte Begebenheit um den wahren Grund der Schenkung in Erinnerung. Im Schützenhochamt, anlässlich des Schützenfestes 2001, wurde der renovierte Messkelch zur Zelebration eingesetzt, zur Ehre Gottes und zur Freude aller Messbesucher.